Nachdem der Hessische Rundfunk in seiner Sendung „defacto“ sowie den HR-Nachrichten mehrfach über die Missstände im Pflegeheim am Rosengarten berichtet hatte, waren die Angehörigen der Senioren, die Aufsichtsbehörden, die Mitarbeiter des Pflegeheims und nicht zuletzt die Senioren selbst in helle Aufruhr versetzt. Der Bürgerverein Griesheim hat zu diesem Sachverhalt recherchiert und versucht, Licht in das Dunkel dieser ernsten Angelegenheit zu bringen.


Der hessische Rundfunk berichtete über Missstände

In seiner Sendung am 09. Oktober berichtete der HR von wundgelegenen Pflegeheim-Bewohnern weil diese nicht fachgerecht gelagert würden; sie dehydrierten, weil niemand Zeit hätte ihnen Getränke anzureichen. Gar stundenlang sollten sie in vollgemachten Betten liegen, weil niemand das Bett frisch bezieht. Sie würden nicht regelmäßig gewaschen und nicht ausreichend medizinisch versorgt. Die dazu gezeigten Fotos waren erschreckend, das gefilmte Bildmaterial teilweise verschleiert um die „Informanten“ Petra M. und Marlene G. zu schützen.

Auch in den Printmedien wurde zu den misslichen Umständen berichtet (Frankfurter Rundschau: 10.10.2016; Frankfurter Neue Presse: 11.10.2016, 12.10.2016), wobei die Frankfurter Neue Presse im zweiten Artikel von der Prüfung der Heimaufsicht berichtete, die die Vorwürfe des HR nicht bestätigten.

 

Ist die Berichterstattung reell?

Seit dem 01. Oktober 2016 gehört die für das Seniorenheim verantwortliche Curata-Gruppe zur Berliner Bethge-Gesellschaft. Am 19. Oktober sprach der Bürgerverein Griesheim mit Herrn Robert Hille, dem verantwortlichen Geschäftsführer für diesen Bereich, zwei weiteren für Sicherheit und Hygiene verantwortlichen Führungskräften sowie der Heimleiterin Frau Caroline Heintz. Alle kamen von einer Teambesprechung im Seniorenheim und standen uns zu den Fragen Rede und Antwort. Die Vorwürfe des HR waren für alle nicht nachvollziehbar.

Außerdem sprachen wir mit einem Pfarrer, einem Arzt sowie ehrenamtlich tätigen Mitbürgern, die alle über diesen Beitrag schockiert waren und diese Vorwürfe in keinerlei Hinsicht bestätigen konnten. Es stellt sich die Frage inwieweit die Recherchen der Wahrheit entsprechen.

Der HR hat übrigens am 19.10.2016 einen weiteren Fragenkatalog verfasst, den er bis zum Folgetag von der Bethge-Gruppe beantwortet haben wollte. Und der Bürgerverein hat dann nach der Zweiten Ausstrahlung den HR angeschrieben (am 31.10.2016), um Hintergründe zu den Recherchen zu erfahren. Bis zum 17. November lag uns noch keine Antwort vor. Da wird anscheinend mit zweierlei Maß gemessen.

 

Info-Veranstaltung des Pflegeheims beruhigt die Angehörigen

Am 17. November kamen viele beunruhigte Angehörige um an der abendlichen Informationsveranstaltung teilzunehmen. Herr Hille und Frau Heintz sowie Mitarbeiter des Hauses stellten sich deren Fragen und wichen dabei kritischen Fragen nicht aus. So beispielsweise dem gerne berufenen Allgemeinplazet, dass alle Betreuungseinrichtungen permanent unterbesetzt seien, was für diese Einrichtung nicht zuträfe. Alle Personalvorgaben seien erfüllt. Auch die mindesten zwei Mal jährlich stattfindenden Prüfungen des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (Prüfkatalog plus zusätzliche Stichproben) und der Heimaufsicht (weitere Prüfungen bei Bedarf) wurden erörtert. Selbst individuelle Belange konnten umgehend ausgeräumt werden.

Letzten Endes konnte allen Angehörigen die Zuversicht gegeben werden, dass ihre Angehörigen im Haus am Rosengarten in guten Händen sind. Ohnehin war der Tenor der Angehörigen positiv und für alle nicht nachvollziehbar, was vom HR berichtet wurde. Frau Babette Souard brach noch eine Lanze für das Personal: „Wenn ich meine Verwandten hier besuche ist es egal wen ich anspreche, von der Putzfrau über die Pfleger bis zur Heimleitung, alle sind stets freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit!“ Eine Frage blieb allerdings offen: „Wie sieht es aus, wenn sich der HR im Zuge mit Hilfe eines sogenannten freien Mitarbeiters Daten erschleicht und dann Angehörige anruft um die Stimmungslage zu erfragen?“ Eine der Angehörigen war über diese Vorgehensweise – unserer Meinung nach zu Recht – sehr empört.

 

Doch noch eine Antwort des HR

Die mit dem 31. Oktober 2016 datierte Antwort des HR kam in der zweiten Novemberhälfte bei uns an. Während der HR dem Pflegeheim ein bis zwei Tage Zeit zum Antworten gab, hat er sich für die Beantwortung unserer Fragen rund drei Wochen Zeit genommen. Zusammengefasst lautet die Antwort, dass alle Mängel belegt werden könnten, die Zeugen unzweifelhaft wären und die nicht genehmigten Dreharbeiten „durchaus legitim“ und sogar „explizit geschützt“ sind, wenn sie dem Aufdecken von Missständen dienen.

 

Fazit

Sicherlich gibt es immer wieder Momentaufnahmen, die nicht dem Optimum entsprechen. Eine Verallgemeinerung und Panikmache führt aber dazu, dass beispielsweise Einrichtungen wie das Seniorenheim am Rosengarten in ein schlechtes Licht gestellt werden. Die Prüfdienste und vor allem die Angehörigen selbst, bestätigten diese Vorwürfe nicht. Auch der offene Umgang der Heimleitung und des verantwortlichen Bereichsleiters der Curata/Bethge-Gruppe stärken unsere Meinung, dass die Menschen in Griesheim eine würdige Behandlung erfahren.

 

LINKS

Interview mit Frau Heintz, Herrn Hille

Haus am Rosengarten (Curata)